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Texte für Menschenrechte
Torsten Lucas, Birgit Möller, Ulrike
Heckl:
TherapeutInnen, Flüchtlinge und Abschiebung. Zur Funktion und
Problematik von Begutachtungen bezüglich Traumatisierung und
Reisefähigkeit.
Abstract:
Der Beitrag stellt an Fallbeispielen, Gerichtsurteilen und
Gutachten aus Berlin dar, wie ÄrztInnen und PsychologInnen
bei der Begutachtung der Traumatisierung und Reisefähigkeit
von Flüchtlingen für staatliche Politikvorgaben und Verwaltungsziele
instrumentalisiert und dadurch in schwere professionelle und ethische
Konflikte gebracht werden. Nicht selten resultieren Verstöße
gegen Prinzipien heilberuflichen Handelns. Denn die fachliche Stellungnahme
ist für die PatientInnen oft die letzte Hoffnung, Schutz vor
drohender »Abschiebung« zu finden und die Behandlung
fortzusetzen.
Die Berliner Ausländerbehörden erkennen jedoch Atteste,
die Traumatisierung oder Reiseunfähigkeit bescheinigen, regelmäßig
nicht an, diskreditieren sie und geben Stellungnahmen von Amts-
oder PolizeiärztInnen Vorrang. Diese sind vielfach mit gravierenden
fachlichen Mängeln behaftet, die verwaltungsgerichtlich wie
auch durch unabhängige Gutachten und Untersuchungen nachgewiesen
sind. Der Beitrag beschreibt die häufigsten Fehler. Mangelnde
Qualifikation und Empathie der GutachterInnen sowie rigide Behördenpraxis
können weitreichende Retraumatisierungen bewirken, die den
Gesundheitszustand der PatientInnen nachhaltig verschlechtern.
Hieraus ergeben sich Folgerungen zur Sicherung professioneller
Qualitätsstandards der Begutachtungen, zur Rechtssicherheit
bei der Anerkennung lege artis erstellter Gutachten, zur Beendigung
der gegenwärtigen Abschiebepraxis sowie zur Rolle der Fachverbände
in Konflikten zwischen Verwaltungsvorgaben und Professionsethik.
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