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Texte für Menschenrechte
Petra Morawe:
Realitätsdiffussionen infolge psychischer Folter. Untersuchungshaft
durch die Staatssicherheit der DDR.
Abstract:
Der Beitrag begründet die Verwendung des Begriffs der
»psychischen Folter« und erläutert die politische
Zielsetzung der DDR-Staats- und Parteiführung, die zur Umstrukturierung
des MfS in den 60er Jahren führte. Die in der Folgezeit vom
MfS bewußt und gezielt eingesetzten Isolations- und Deprivationsverfahren
sowie verschiedene Psychotechniken ließen komplexe psychische
Extremsituationen entstehen.
Es wird aufgezeigt, wie diese psychischen Extremsituationen auf
die Untersuchungshäftlinge wirkten. Grundlage dafür sind
Interviews mit ehemaligen politischen Häftlingen, die zwischen
1960 und 1989 in Berlin-Hohenschönhausen in Untersuchungshaft
der Staatssicherheit waren. Ihre Erzählungen zeigen strukturelle
Übereinstimmungen in der Art und Weise des Erinnerns bzw. der
Unsicherheit über das Erinnerte und die unsichere Ahnung über
das Verdrängte, kurz »Realitätsdiffusionen«.
Ursachen und Verläufe werden an Interviewmaterial dargestellt
und typologisch zusammengefaßt. Ziel der Staatssicherheit
war es, die Persönlichkeit des Häftlings zu destabilisieren,
um in den Vernehmungen die größtmögliche Aussagebereitschaft
erzwingen und das Aussageverhalten beeinflussen zu können.
Das Wissen um Absichten, Ziele und Methoden der Staatssicherheit
sowie der politischen Strafjustiz ist notwendig, um ehemaligen politischen
Häftlingen bei der schwierigen Rekonstruktion des Geschehenen
und beim Umgang mit den erlittenen Traumen helfen zu können.
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