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Texte für Menschenrechte
Regner, F. (in Druck):
»Vinculo Comprometido« - der Bezug auf die Menschenrechte
als therapeutische Strategie mit politisch Traumatisierten.
Abstract:
Der Artikel erläutert das therapeutische Beziehungskonzept
des »Vinculo Comprometido« (»eingegangene Bindung«),
das in Chile zu Zeiten der Militärdiktatur in der Arbeit mit
politisch Traumatisierten entwickelt wurde. Es bezeichnet wesentlich
ein menschenrechtliches Parteiergreifen für die Klienten, ohne
jedoch die Therapie damit zu ideologisieren.
Empirische Grundlage für die Reflexionsarbeit sind zwei Interviews
mit einem Therapeuten, der nach diesem Konzept eine Familie in Chile
behandelte, deren oppositioneller Vater nach dem Militärputsch
1973 vom Regime ermordet worden war, woraufhin sich schwerwiegende
Pathologien bei den Familienmitgliedern entwickelt hatten. Besonders
auffällig war, daß alle drei jugendlichen Kinder zu überzeugten
Anhängern der Militärdiktatur geworden waren.
Die Interviews werden unter Heranziehung verschiedener theoretischer
Ansätze dekonstruiert und interpretiert. Roter Faden durch
die Analy-se der Falldarstellung ist der Begriff der Macht in seinen
Variationen und Umkehrungen. Hierzu erfolgt eine kritische Orientierung
an der Machtanalytik von M. FOUCAULT. Die Militärdiktatur wird
als (1) repressive Macht charakterisiert. Bei den Verfolgten führt
dies zu (2) traumatogener Ohnmacht. Nach Therapeutendarstellung
wurde diese in der behandelten Familie durch Verleugnung des politischen
Mordes abgewehrt; es handelte sich demnach um (3) Ohnmachts-Abwehr.
Auch der (4) therapeutische Diskurs ist ein Machtfeld. Mit ihm kann
günstigenfalls die traumatogene Ohnmacht bis zu einem gewissen
Grad kompensiert und repressiv erzeugte Unbewußtheit graduell
aufgehoben werden. Dies bedeutet (5) eine gewisse Ermächtigung
des Subjekts. Damit geht zumindest auf symbolischer Ebene auch eine
(6) angedeutete Entmächtigung militärischer Macht einher.
Jedoch gilt es dabei, sich auch der (7) Ohnmacht des Therapeuten
angesichts überwältigender Machtverhältnisse bewußt
zu sein: So konnte nach Therapeutenauskunft etwa der Sohn der Familie
durch die Therapie bestenfalls vor dem Schlimmsten bewahrt werden.
Durch Bezug auf die FOUCAULTsche Formel »Macht-Recht-Wahrheit«
verbindet sich mit der machtanalytischen auch eine (menschen)rechts-
und gerechtigkeitsanalytische Betrachtung im weitesten Sinne, worauf
besonders fokussiert wird.
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